Unsere Geschichte

SPD: Seit 1919 in Pfuhl, seit 1923 in Burlafingen und Steinheim

Wir sind seit 1919 in Pfuhl politisch Aktiv und damit mit Abstand die älteste Partei in unserem Ort. Die Chronik wird Stück für Stück erweitert. Autoren dieser Texte sind Alfred Doleschel und Rosl Schäufele.

Geschichtlicher Hintergrund

Wie es eigentlich gewesen ist mit dem Ortsverein, läßt sich nicht immer leicht ermitteln. Einige Anhaltspunkte für die Erinnerung sollen hier dennoch angeboten werden. Die bisher erste nachweisbare SPD-Spur in Pfuhl, ein „Sozialdemokratischer Verein Pfuhl“, datiert vom 21. Juni 1919. Das ist genau der Tag, an dem die kaiserliche Flotte sich im britischen Kriegshafen Scapa Flow, in dem sie seit dem Waffenstillstand am Ende des Ersten Weltkrieges interniert war, selbst versenkte. Der von aktuellen Nachrichten abgeschnittene Admiral von Reuter war der Überzeugung, daß die zu erwartende Nichtunterzeichnung des Versailler Vertrages seitens der deutschen Delegation eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen bedeuten müsse. Die Flotte sollte dabei nicht in die Hände der Engländer fallen. Eine Woche später ist der Friedensvertrag, der wenig Frieden gebracht hat, unterschrieben. Seit dem Jahreswechsel 1918/19 gibt es in Deutschland eine kommunistische Partei, nachdem sich bereits im Jahre 1917 die USPD (Unabhängige Sozialdemokratische Partei) von der Mehrheits-SPD abgespalten hat. Am 6. Februar 1919 tritt erstmals die neugewählte Nationalversammlung in Weimar zusammen. Der Sozialdemokrat Friedrich Ebert wird am 11. Februar zum ersten Reichspräsidenten gewählt, der am 11. August 1919 die Verfassung der Weimarer Republik unterzeichnet und damit in Kraft setzt. „Räte“ („Spartakus“) und „Freikorps“ bekämpfen sich und die junge Demokratie.

SPD in Pfuhl

In diesen aufgewühlten Zeiten bilden etwa drei Dutzend Leute in Pfuhl die örtliche SPD und damit einen der ältesten Vereine im Dorf. Bereits 1923 haben übrigens zum Bereich des Ortsvereins Pfuhl die Gemeinden Burlafingen und Steinheim gehört. Am 7. Juni 1919 veröffentlicht der Bezirkswahlkommissär Risch im Rothtal-Boten eine Bekanntmachung über die Wahlvorbereitungen für die Bezirkswahl im Bezirk Neu-Ulm, „umfassend die bisherigen Distrikte Neu-Ulm und Weißenhorn“. Die Liste enthält 66 Wahlvorschläge. Drei der Kandidaten kommen aus Pfuhl, zwei davon sind Sozialdemokraten („Mehrheitspartei“), der 32jährige Schriftsetzer Georg Thierer und der 53 Jahre alte Landwirt (!) Johannes Pflüger. Der dritte Pfuhler ist der für den Bauernbund kandidierende Bürgermeister Christian Schuler. Diese Andeutungen zeigen schon die gelegentlich heute noch erkennbare Eigenständigkeit- man kann auch sagen Querköpfigkeit - der Pfuhler. Der sachliche Hintergrund ist sicher die vom alten Pfahlbürgertum Ulms herrührende gewerbliche Tradition in Pfuhl. „Stadtluft macht frei“, hat es im Mittelalter geheißen. Die frühe Geschichte der Pfuhler SPD liegt leider im dunkeln. Hier seien nun einige Namen genannt, die darin vorkommen. Die SPD in Pfuhl würde sich sehr freuen, wenn aus diesen Angaben einige Rückmeldungen entstünden, die uns weiterhelfen könnten,die Leerstellen bis 1933 und danach auszufüllen. Vielleicht liegt irgendwo noch etwas herum, das bisher nicht beachtet worden ist und für uns wertvoll sein könnte. Nun die Namen: Ernst Löffler, Honold, Michael Erne, Josef Kohn, Hörger, Andreas Alt, Martin Kießling, Mutschler, Moser.

1919 - 1933: Politik und Alltag im Ortsverein Pfuhl

Mitgliederversammlung war in der Regel einmal im Monat, mal in den 3 Taubenschlagen, mal im Saalbau, in der Krone oder im Adler. Schon das Abhalten der Versammlungen wurde in diesen schweren Zeiten fast zum Problem, denn im Ilnflationsjahr 1923 stieg der Literbierpreis auf 3,5 Milliarden. So erklärte sich der Adlerwirt - ein Genosse - bereit, auf den Bierzwang zu verzichten. Worin bestanden nun die Aktivitäten des Ortsvereins in diesen monatlichen Versammlungen? Breiten Raum nahm naturlich damals wie heute die Kommunalpolitik ein. Es gab eine sozialdemokratische Rathausfraktion, die aus dem 1. Vorsitzenden Löffler, den Genossen Honold, Thierer, Michael Erne und Josef Kohn bestand und die regelmäßig Bericht erstattete. Ihre 1. Forderung an den Gemeinderat war: Der Fraktionsvorsitzende müsse zwei Tage vor der Sitzung die Tagesordnung bekommen, damit man die Sitzung in der Fraktion vorbereiten könne. (Offenbar keine Selbstverständlichkeit.) Zwar gelang es nicht, den 2. Bürgermeister zu stellen, dabei unterlag der Genosse Hohold 1919 mit 7:5 Stimmen dem Kandidaten des Bauembundes Held, aber die Sozialdemokraten konnten in den Armenrat Michael Erne und in den Waisenrat Josef Kohn entsenden. Und die Entsendung in diese Ausschüsse ist typisch für die Sozialdemokraten dieser Zeit. Denn es ging offensichtlich in der Bauern- und Arbeitergemeinde Pfuhl vor allem für die Arbeiter um nackte Überlebensfragen. Davon geben die Rathausberichte lebhaft Zeugnis: Da wird immer wieder die Wohnungsfrage diskutiert und gefordert, einen Wohnungsausschuß zu bilden. Da ist von Holz- und Kartoffelzuteilung, von Brot- und Zuckerversorgung, von der Kohlenfrage und vom Milchpreis die Rede (1920 80 Pf,1922 schon 16.50 M). Da wird scharf kritisiert, daß die SPD auf die Liste für die Verteilung der Frucht keinen Einfluß hatte, da wird diskutiert über die Frage, ob die 35 Pfund Schweinespeck und die 40 Paar Würste, die an bedürftige Arbeiterfamilien verteilt wurden, an die richtigen Leute gekommen seien, da ist vom Tageslohn in der Gemeinde, den man verlangen könne, und vom Wasserzins die Rede. Außerdem kümmert man sich aber auch um Bildungspolitik, die Einrichtung einer Schule im Gasthaus zu den 3 Taubenschlägen. Unvorstellbar nach heutigen Maßstäben muß die Not in der damaligen Zeit gewesen seın. Der SPD-Ortsverein versuchte diese Not zu steuern, nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern auch direkt.